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Wanderführer | July 13, 2026 | 8 min read

Der Táin Way: Wandern auf den Spuren der irischen Sage

Photo: Walking Holiday Ireland

Oberhalb von Carlingford gibt es einen Hügel, auf dem Sie mit einem Stiefel im Mythos und mit dem anderen im 21. Jahrhundert stehen. Unter Ihnen die mittelalterlichen Gassen und die Austernbänke, gegenüber am anderen Ufer die Mourne Mountains — und ringsum jener Boden, auf dem, wenn man der ältesten Erzählung der irischen Literatur glauben darf, das Heer einer Königin auszog, um einen Stier zu rauben, und ein siebzehnjähriger Junge es allein aufhielt. Der Táin Way ist ein 40 Kilometer langer Rundweg über genau dieses Land — und eine der lohnendsten Fernwanderungen Irlands, über die kaum jemand spricht.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie über Irlands National Waymarked Ways — wir stellen Ihnen nach und nach jeden Fernwanderweg des Landes vor.

Eine Anmerkung in eigener Sache: Walking Holiday Ireland sitzt in Dundalk, fünfzehn Minuten vom Ausgangspunkt entfernt. Das ist unser Hausberg. Wir sind den Táin Way bei waagerechtem Regen gegangen und in jenem klaren Junilicht, in dem man am Horizont Wales erkennen kann — und wir finden nach wie vor, dass er sträflich wenig begangen wird.

Was ist der Táin Way?

Der Táin Way (irisch: An Táin Bhealach) ist ein 40 km langer Rundwanderweg über die Halbinsel Cooley in der Grafschaft Louth und offiziell als National Waymarked Way ausgewiesen. Start und Ziel ist Carlingford, die Gesamtsteigung liegt bei rund 1.025 Höhenmetern, die Einstufung lautet „Moderate" — mittelschwer. Die meisten Wanderer bewältigen die Runde in zwei Tagen; mit drei Tagen können Sie sie tatsächlich genießen.

Entworfen wurde der Weg von J. B. Malone, demselben Wanderer, der auch den Wicklow Way angelegt hat; eröffnet wurde er im August 1986. Diese Handschrift merkt man. Malone verstand es, Forstwege, offenes Bergland und stille Landsträßchen so zu verweben, dass das Gehen nie eintönig wird — und der Táin Way ist eines seiner kompaktesten und abwechslungsreichsten Werke.

Was ihn von Irlands bekannteren Wegen abhebt, ist der Maßstab. Der Kerry Way braucht neun Tage, der Wicklow Way sieben. Der Táin Way liefert Bergkämme, Wald, Meerblick und eine mittelalterliche Kleinstadt an einem Wochenende — gut eine Stunde nördlich von Dublin.

Die Geschichte hinter dem Namen

Der Weg trägt seinen Namen nach dem Táin Bó Cúailnge, dem „Rinderraub von Cooley", dem zentralen Epos der frühen irischen Literatur. Kurz gefasst: Königin Medb von Connacht will, aus reiner Rivalität mit ihrem Gemahl, unbedingt den Donn Cuailnge besitzen — den mächtigen Braunen Stier von Cooley. Sie zieht mit einem Heer nach Osten, um ihn zu holen. Die Männer von Ulster liegen unter einem alten Fluch danieder und können die Provinz nicht verteidigen.

Alle bis auf einen. Cú Chulainn, kaum mehr als ein Junge, beruft sich auf das Recht des Zweikampfs und hält das Heer einen ganzen Winter lang an den Furten auf — einen Kämpfer nach dem anderen. Eine seltsame, brutale, wunderschöne Geschichte. Und sie spielt vollständig hier, auf und um die Halbinsel, die Sie durchwandern werden.

Man muss nichts davon wissen, um den Weg zu mögen. Aber es verändert das Gehen. Ravensdale, Clermont, der Pass unter dem Carn — das sind keine neutralen Namen auf einer Karte. Ein paar Seiten des Táin vor der Reise sind die günstigste Aufwertung, die Sie dieser Wanderung geben können.

Die Route, Etappe für Etappe

Carlingford nach Ravensdale

Sie verlassen Carlingford steil bergauf und stehen sofort an der Nordflanke des Slieve Foye (589 m), des Berges, der sich über den Ort neigt. Nach zwanzig Minuten liegen die Dächer klein unter Ihnen, das Carlingford Lough öffnet sich nach Norden, und dahinter türmen sich die Mournes am gegenüberliegenden Ufer.

Der Pfad quert hoch über dem Lough, wendet sich dann landeinwärts über den Clermont Pass, unterhalb des Clermont Carn mit seinem unverkennbaren Sendemast. Danach führt die Route hinab in die Forste von Ravensdale — dunkel, moosig, geschützt: eine ganz andere Welt als der offene Hang, den Sie eben verlassen haben. Ravensdale ist ein natürlicher Tagesabschluss.

Von Ravensdale zurück nach Carlingford

Tag zwei ist der Bergtag. Der Weg steigt aus Ravensdale wieder auf und nimmt den Grat zwischen Carnawaddy und Castle Mountain — das Rückgrat der Cooley Mountains, mit der Dundalk Bay im Süden und der Halbinsel, die zu beiden Seiten abfällt. An einem guten Tag ist das eine der schönsten Gratwanderungen in ganz Leinster. An einem schlechten ist sie exponiert, moorig und kompromisslos — dann brauchen Sie Karte und Kompass, nicht das Handy.

Der Schlussakt ist der Abstieg über die Südflanken des Slieve Foye zurück nach Carlingford: lang, felsig, eine echte Prüfung für die Knie — und dabei liegen Ort, Burg und Lough die ganze Zeit unter Ihnen ausgebreitet. Es ist das schönste Finale aller kurzen Wege des Landes, und Sie haben sich Ihr Abendessen redlich verdient.

Wie schwer ist der Táin Way wirklich?

„Mittelschwer" ist die offizielle Einstufung, und sie ist fair — aber lesen Sie sie richtig. Vierzig Kilometer sind nicht weit. Tausend Höhenmeter auf diesen vierzig Kilometern, ein großer Teil davon auf rauem Berggelände, sind eine ganz andere Sache.

Drei ehrliche Beobachtungen aus vielen Begehungen:

  • Die Bergabschnitte sind echtes Bergland. Auf dem Slieve Foye und dem Carnawaddy-Grat zieht schnell Wolke auf, und die Markierung hilft bei klarer Sicht deutlich mehr als im Nebel. Nehmen Sie eine Papierkarte mit — und wissen Sie, wie man sie benutzt.
  • Der Boden ist nass. Dies ist die Ostküste, nicht der Wild Atlantic Way, aber in den Höhenlagen liegt trotzdem Moor. Feste Wanderstiefel, keine Trailrunner.
  • Es gibt Straßenabschnitte. Eine landesweite Überprüfung der Waymarked Ways aus dem Jahr 2010 hat die asphaltierten Stücke des Táin Way ausdrücklich bemängelt. Es wurde nachgebessert, doch ein Stück stiller Landstraße bleibt. Das ist der Preis für einen Rundweg durch eine bewohnte Landschaft.

Nichts davon sollte Sie abschrecken. Wer einen langen Bergtag in Wicklow schafft, schafft auch den Táin Way.

Wie viel Zeit sollten Sie einplanen?

Zwei Tage sind die klassische Aufteilung, mit Übernachtung in Ravensdale oder Omeath. Das funktioniert, bedeutet aber zwei lange Tage — und lässt keinen Puffer für das Wetter.

Drei Tage sind besser. Damit wird aus dem Táin Way ein richtiger kleiner Wanderurlaub: kürzere Etappen, ein freier Nachmittag in Carlingford und genug Spielraum, dass ein verregneter Vormittag nicht die ganze Reise ruiniert. Die meisten unserer Gäste, die hier unterwegs sind, nehmen sich eine Woche und verbinden die Runde mit den Mournes auf der anderen Seite des Loughs — und wenn Sie schon so weit anreisen, ist genau das unsere leise Empfehlung.

Die beste Zeit

Mai bis September, wie fast überall in Irland. Mai und Juni bringen die längsten Abende und den trockensten Untergrund, der September das schönste Licht und leere Wege. Juli und August sind reizvoll, doch Carlingford ist ein beliebter Wochenendort — buchen Sie Ihre Unterkunft früh, besonders rund um das Austernfestival im August.

Im Winter sind die tieferen Abschnitte begehbar. Der Grat im Dezember, mit vier Stunden nutzbarem Tageslicht und Wolken auf den Gipfeln, bleibt erfahrenen Bergwanderern vorbehalten.

Carlingford: der schönste Ausgangsort Irlands

Nur wenige Wege beginnen und enden an einem Ort, an dem man wirklich bleiben möchte. Carlingford schon. Ein echtes mittelalterliches Städtchen — King John's Castle über dem Hafen, die Mint, das Tholsel, enge Gassen, die seit achthundert Jahren nicht verbreitert wurden —, eingeklemmt zwischen Berg und Meeresarm, mit einer Gastronomie- und Pubszene, die weit über das hinausgeht, was einem Ort mit tausend Einwohnern zusteht.

Die Austern werden direkt vor Ihnen im Lough gezüchtet. Beim Frühstück füllen die Mournes das Fenster. Und wenn Sie am Ende vom Slieve Foye herunterkommen, liegt alles, was Sie brauchen, in vierhundert Metern Umkreis. Schwer zu übertreffen.

Häufige Fragen

Sind Táin Way und Táin Trail dasselbe?

Ja. Beide Bezeichnungen sind gebräuchlich; ältere Wanderführer und Zeitungsartikel sprechen meist vom „Táin Trail". Die offizielle Bezeichnung lautet Táin Way.

Muss ich die gesamte Runde gehen?

Keineswegs. Der Slieve-Foye-Rundweg ab Carlingford nutzt einen Teil des Táin Way und ergibt eine hervorragende Tageswanderung von vier bis fünf Stunden — mit den besten Ausblicken. Viele probieren den Weg zunächst so aus.

Ist der Weg gut markiert?

Im Allgemeinen ja — die gelben „Wandermännchen" stehen auf den Forst- und Straßenabschnitten zuverlässig. Im offenen Bergland, besonders auf dem Carnawaddy-Grat, stehen sie weiter auseinander. Nehmen Sie die Karte mit.

Geht es auch ohne Auto?

Ja. Dundalk liegt an der Bahnstrecke Dublin–Belfast, und Linienbusse fahren von dort in etwa einer halben Stunde nach Carlingford. Da der Weg eine Runde ist, enden Sie dort, wo Sie begonnen haben — ganz ohne Transferlogistik.

Wo steht der Táin Way unter Irlands Fernwanderwegen?

Gemessen an der Landschaft pro gelaufenem Kilometer gehört er für uns in die engste Spitzengruppe. Gemessen an seiner Bekanntheit: nirgendwo. Genau diese Lücke gefällt uns.

Wandern Sie den Táin Way mit uns

Die Halbinsel Cooley ist unser Heimatrevier, und unsere selbstgeführten Wanderreisen hier sind um die schönsten Etappen des Táin Way herum gebaut — einschließlich jenes unvergesslichen Abstiegs aus den Cooley-Bergen zurück nach Carlingford.

Die 5-Tage-Tour Cooley Peninsula (ab 645 €) zeigt Ihnen die Höhepunkte an drei Wandertagen. Die 6-Tage-Wanderreise Cooley Peninsula (ab 725 €) ergänzt zwei ruhigere Rundwanderungen ab Carlingford, damit Sie nie in Eile sind. Und wer das ganze Bild will — Cú Chulainns Berge auf der einen Seite des Loughs, die Mournes auf der anderen —, wählt die 7-Tage-Tour Cooley & Mournes (ab 800 €) und wandert beide.

In jeder Reise enthalten: handverlesene B&Bs, täglicher Gepäcktransport, GPS-Routenbeschreibungen und unsere Telefonnummer in Ihrer Tasche. Alle Wanderreisen in Cooley & den Mournes ansehen — oder stellen Sie sich einfach auf jenen Hügel über Carlingford und sehen Sie selbst, worum es hier geht.

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